Warum Dänen US-Produkte aktiv meiden - und Deutsche trotz Empörung weiterkaufen

upday.com 1 час назад
Amazon ist der mit Abstand größte Onlinehändler in Deutschland. Wolf von Dewitz/dpa

Dänische Verbraucher boykottieren aktiv US-Produkte – und nutzen dafür eine neue App. «UdenUSA» (deutsch: «Ohne die USA») steht aktuell an der Spitze der kostenlosen Apps im dänischen App Store. Die Anwendung hilft Konsumenten, amerikanische Waren im Supermarkt zu identifizieren und zu meiden. Der Boykott ist eine Reaktion auf Donald Trumps Drohungen gegenüber Grönland und seine Handelspolitik.

Die App wurde vor wenigen Tagen gelauncht und erreichte am Donnerstag Platz eins der Download-Charts. Eine zweite Boykott-App landete auf Platz drei. App-Entwickler Pipper sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wir haben gemerkt, dass es vielen Menschen wichtig ist, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten.» Das Problem: «Aber es ist nicht immer so leicht, die im Supermarkt auch zu erkennen.»

Das Engagement ist beachtlich: Eine Facebook-Gruppe namens «Boykottiert Waren aus den USA», 2025 in Dänemark gegründet, hat über 110.000 Mitglieder – bei sechs Millionen Einwohnern. Bereits im vergangenen Jahr markierten dänische Supermärkte europäische Produkte mit einem Stern auf Preisschildern, um gegen Trumps Handelspolitik zu protestieren.

Stimmung in Deutschland – ohne Konsequenzen

Auch in Deutschland zeigen Umfragen eine kritische Haltung. Eine IFH-Erhebung vom März 2025 mit rund 500 Teilnehmern ergab: 61 Prozent würden bestimmte amerikanische Produkte wie Tesla nicht kaufen, 36 Prozent lehnen sie komplett ab. Ralf Deckers vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln sagt: «In der Bevölkerung sind Empörung und teils auch Abscheu deutlich spürbar.»

Doch im deutschen Einzelhandel ist davon nichts zu spüren. Die Supermarktkette Lidl berichtet von keinerlei Veränderungen bei den Verkaufszahlen amerikanischer Produkte. Aldi und Edeka äußerten sich nicht konkret. Philipp Hennerkes vom Branchenverband BVLH erklärt: «Wir nehmen keinen Protest wahr. Die entsprechenden Produkte werden weiter nachgefragt.»

Experten: Boykott unwahrscheinlich

Katharina Gangl, Direktorin am Nürnberger Institut für Marktentscheidungen, sieht derzeit nur vereinzelte Reaktionen: «Sicher werden einige überlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen können, um amerikanische Produkte zu meiden.» Ein flächendeckender Boykott sei aber nur bei weiterer Eskalation denkbar – etwa mit Aufrufen wie «Kauft nicht bei Amazon, sondern bei Otto».

Experte Deckers vom IFH bleibt skeptisch gegenüber langfristigen Effekten: Vermeidungsverhalten werde sporadisch und kurzfristig bleiben, «weil viele Menschen ihre eingeübten Konsumgewohnheiten nur ungern infrage stellen». Konsumforscher Ole Kelm von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf stimmt zu: «Die Nutzung von Boykott-Apps wird keinen großen Effekt auf die Verkaufszahlen amerikanischer Produkte haben.» Allerdings könne Imageschaden entstehen.

US-Marken – oft aus Europa

Ein Boykott wäre ohnehin kompliziert: Viele bekannte US-Marken wie Coca-Cola, M&M's, Pringles oder Kellogg's werden in Europa produziert. Verbraucher wissen oft nicht, welche Marken zu amerikanischen Konzernen gehören. Zudem beeinflussen Rabattaktionen das Kaufverhalten deutlich stärker als politische Überzeugungen.

Anfragen an US-Konzerne wie Amazon, McDonald's, Burger King, Mars und den Coca-Cola-Abfüller CCEP zu möglichen Auswirkungen blieben unbeantwortet.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

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